"Ich bin eine bessere Spielerin als vorher"

HANNA NÉMETH IM ABSCHIEDSINTERVIEW

22.05.26 von Marie Backhaus | 8 Min

Hanna Nemeth sitzt lächelnd vor einem grünen Hintergrund mit einem Logo, das dem von Werder Bremen ähnelt, und trägt ein weißes Shirt mit Logo.

Nach vier Jahren an der Weser möchte sich Hanna Németh nun im Sommer eine neue Herausforderung suchen. Die ungarische Nationalspielerin erzählt im Abschiedsinterview mit WERDER.DE, wer ihr in der Anfangszeit beim Deutsch lernen geholfen hat, was die Unterschiede zum Frauenfußball in Ungarn sind und welchen Moment sie ganz besonders in Erinnerung behält.

WERDER.DE: Moin Hanna, wir sind heute zusammengekommen, weil deine Zeit nach vier Jahren bei Werder Bremen jetzt im Sommer leider endet. Mit welchem Gefühl verlässt du den Verein?

Hanna Németh: Ich habe sehr viele Emotionen. Erstmal bin ich sehr dankbar für diese vier Jahre bei Werder und habe viele schöne Erinnerungen. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass ich jetzt bereit für eine neue Herausforderung bin. Meine Erinnerungen bleiben für immer und ich bin einfach nur dankbar für alles, was wir zusammen erlebt haben.

WERDER.DE: Für dich war es ein spannendes und sicher auch aufregendes neues Kapitel damals. Ein neues Land, neue Kultur, neue und sicherlich auch etwas schwierige Sprache zum Lernen. Wie war das damals für dich, als du nach Bremen gekommen bist? Und wie gut und schnell hast du dich hier einleben können?

Hanna Németh: Ja, es war gar nicht so einfach. Ich konnte kein Wort Deutsch und es gab auch nicht so viele Ausländer in der Mannschaft. Also ich wusste, dass ich schnell alles lernen muss, denn es war irgendwann ein bisschen peinlich, dass der Trainer alles zweimal sagen musste. (lacht) Die Fussballbegriffe habe ich schnell gelernt, weil man das jeden Tag hört. Mit anderen Begriffen im Alltag war es ein bisschen schwieriger, weil mit meinen Freunden spreche ich häufig nur Englisch und dann höre ich nicht so viel Deutsch. Aber jetzt nach vier Jahren kann ich sagen, dass ich fast alles verstehe und gut reden kann.

WERDER.DE: Da kann man dir nur Respekt zollen, wie schnell und gut du die deutsche Sprache gelernt hast. Du hast hier auch neue Freundinnen gefunden. Welche Rolle haben die dabei gespielt und welche Mitspielerin hat dich in deiner Zeit hier besonders beeindruckt oder begleitet?

Hanna Németh: Ich habe keine Familie hier, ich hatte also wirklich von Anfang an nur die Mannschaft. Mit Saskia Matheis, Michi Brandenburg und damals auch noch Sarah-Lisa Dübel habe ich aber schnell Anschluss gefunden. Wir waren von Anfang an eine gute Gruppe und haben viel zusammen gemacht. Sie haben mir mit allem geholfen. Saskia zum Beispiel, sie hat ja auf Lehramt mit dem Fach Deutsch studiert, sie hat mir sehr viel geholfen, die Sprache zu lernen und auch einfach damit, dass ich mich hier wohlfühle. Alle drei haben mir sehr sehr viel geholfen.

WERDER.DE: Der eine oder andere gemeinsame Urlaub war auch dabei, oder?

Hanna Németh: Ja, genau, Sie haben mich auch mal in Ungarn besucht. Ich habe ihnen alles Mögliche in Ungarn gezeigt. Verschiedene Orte, das Essen, aber sie haben auch meine Familie kennengelernt. Ich war dann auch mal in Kiel bei Michi, dort waren wir segeln. Ich glaube, diese Freundschaften bleiben wirklich fürs Leben.

Michaela Brandenburg, Saskia Matheis und Hanna Nemeth lächeln auf einem Fußballplatz, eine von ihnen trägt ein grünes Trikot von Werder Bremen, im Hintergrund ist eine Menschenmenge zu sehen.
Mit Michi Brandenburg und Saskia Matheis hat Hanna Németh gute Freundinnen bei Werder gefunden (Foto: W.DE).

WERDER.DE: Wenn wir schon bei Ungarn sind, wie muss man sich den Frauenfußball dort vorstellen? Was sind die größten Unterschiede zur ersten Bundesliga hier?

Hanna Németh: Ich glaube, Ungarn ist auf einem guten Weg, aber es ist weniger professionell dort. Meine Lieblingsmannschaft, Ferencvárosi Budapest, ist die Beste in Ungarn und spielt fast jedes Jahr die Champions League-Qualifikation. Sie wollen es unbedingt in die Champions League schaffen. Die anderen Mannschaften haben viele junge Talente, aber alle, die Fußball ernst nehmen, wollen ins Ausland gehen, weil man sich da besser entwickeln kann. Das war auch mein Grund, warum ich nach Deutschland gekommen bin. Ich glaube, das ist auch wichtig für unsere Nationalmannschaft, dass viele Spielerinnen diesen Schritt machen, weil die Qualität dort dann auch steigt.

WERDER.DE: Wie würdest du deine persönliche Entwicklung hier bei Werder beschreiben? Welche Bedeutung hatte der Verein Werder Bremen für deinen bisherigen Karriereweg?

Hanna Németh: Es war der größte Schritt, den ich bisher gemacht habe. Ich konnte mich hier unglaublich viel entwickeln und bin sehr dankbar für das Vertrauen von Thomas damals und auch Birte. Sie hat mir meinen ersten richtigen Profivertrag gegeben. In dieser Liga sind die Gegner alle sehr gut, wenn man als Innenverteidigerin einen Fehler macht, wird der auf jeden Fall bestraft. Auch die Körperlichkeit ist ein anderes Niveau, als was ich in den USA oder in Ungarn erlebt habe. Ich nehme alle diese Erfahrungen mit und bin auf jeden Fall eine bessere Spielerin als vorher.

WERDER.DE: Gibt es einen ganz bestimmten Moment, den du mit Werder verbindest? Was war dein Highlight mit dem Team?

Hanna Németh: Unser allererstes Stadionspiel. Das war gegen Freiburg im Weserstadion. Ich habe sowas vorher noch nie erlebt. Wie laut es war und auch einfach zu sehen, wie viele Leute für uns als Frauenmannschaft da waren. Das war richtig krass, weil das mein erstes großes Stadionspiel war. Das werde ich nie vergessen. Ich habe danach für jedes andere Stadionspiel meine ganze Familie eingeladen, weil sie es auch einfach erleben mussten. Es ist ganz anders, als was man in Ungarn sieht, sogar bei den Männern. Es ist einfach alles noch größer und lauter. Wir haben dieses erste Stadionspiel zwar verloren, aber danach hatten trotzdem alle ein Lächeln im Gesicht, weil es so ein gutes Erlebnis war. Die Fans haben uns trotz dieser Niederlage die ganze Zeit unterstützt. Es gab auch ein Tor von Nina Lührßen in dem Spiel, ein Freistoß mit links in die Ecke. Das werde ich auch nie vergessen. Wie wir als Mannschaft danach zusammen gejubelt haben, war vielleicht auch eine von meinen schönsten Erinnerungen. Das sind auf jeden Fall Momente, die bleiben.

WERDER.DE: Mit welchen Gefühlen blickst du jetzt auf deinen weiteren Weg?

Hanna Németh: Ich bin erstmal gespannt, was kommt. Ich fühle mich bereit für einen neuen Schritt. Ich wünsche mir, dass ich noch viel erleben und auch noch eine neue Liga und ein neues Land kennenlernen kann. Ich nehme meine Erinnerungen bei Werder mit und blicke gespannt in die Zukunft. Ich hoffe, dass das alle hier bei Werder verstehen können und mir auch weiterhin ein bisschen die Daumen drücken.

WERDER.DE: Möchtest du den Fans zum Abschied noch etwas mit auf den Weg geben?

Hanna Németh: Liebe Werder-Fans, ohne Übertreibung, ihr seid die besten Fans der Liga und eure Leidenschaft und lautstarke Unterstützung haben uns häufig über unser Limit gebracht und dabei geholfen, Punkte zu gewinnen. Ihr seid ein sehr, sehr wichtiger Teil von all meinen schönsten Werder-Erinnerungen und diese Momente bleiben für immer. Ich bin jetzt auch ein sehr großer Werder-Fan und hoffe, wir sehen uns wieder.

WERDER.DE: Vielen lieben Dank für all die schönen Jahre mit dir bei Werder und für deinen täglichen Einsatz für Grün-Weiß. Wir wünschen dir für deine Zukunft nur das Beste und alles Gute!

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