"Leistungsfußball ist eine Schule für das Leben"
TOM PACHULSKI IM INTERVIEW ZUM START DER REIHE "GRÜN-WEISS FÜRS LEBEN"
02.04.26 von Noah Brodersen | 5 Min
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Der Traum vom Profifußball lebt in jedem, der einmal Teil des WERDER Leistungszentrums wird. Dennoch funktioniert der Sprung in den hochklassigen Fußball nicht für alle. In unserer Serie „Grün-Weiß fürs Leben“ berichten unsere ehemaligen Jugendspieler, was sie aus ihrer Zeit beim SV Werder für ihr späteres Leben mitgenommen haben. Im ersten Teil der Reihe sprechen wir mit unserem ehemaligen Junioren-Torwart Tom Pachulski, der von 2012 bis 2016 von der beim SV Werder aktiv war. Im Interview blickt er auf seine Erfahrungen im Internat des SVW und erklärt, wie sie ihn in seinem Berufsleben als Finanzberater immer noch weiterbringen.
WERDER.DE: Moin Tom, um deine Geschichte zu erzählen, würde ich gerne zum Anfang springen. Mittlerweile bist du ja ein echtes Nordlicht, aber eigentlich bist du in einem kleinen Ort zwischen Leipzig und Jena aufgewachsen. Wie kam es denn überhaupt dazu, dass es dich 2012 zum SV Werder verschlagen hat?
Tom Pachulski: "Fußball war schon immer meine Leidenschaft und so bin ich ab meinem 12. Lebensjahr bei Carl Zeiss Jena ins Internat gezogen. Der Kontakt zu Werder entstand damals über die Jugendnationalmannschaft und die DFB-Lehrgänge, bei denen mich Schnapper (U19-Torwarttrainer Michael Jürgen; Anm. d. Red.), der für Werder bei diesen Events gescoutet hat, wohl nicht so schlecht fand. Dann kam es dazu, dass ich mit Jenas U17 als damaliger U15-Spieler am letzten Junioren-Bundesligaspieltag in Bremen als zweiter Torwart auf der Ersatzbank ausgeholfen habe. Die Verantwortlichen von Werder, meine Eltern und ich waren im Anschluss für ein Gespräch verabredet. Leider sind wir dann mit Jena durch unsere Niederlage abgestiegen. Trotz dieser negativen ersten Werder-Erfahrung hat mich die aufgezeigte Perspektive überzeugt und ich habe mich für Bremen entschieden (lacht)."
WERDER.DE: Ein Schritt aus deiner Komfortzone. Auch hier hast du im Internat gelebt. Wie war es für dich mit 15 Jahren, allein in eine fremde Stadt zu kommen?
Tom Pachulski: "Im Internat zu leben war für mich keine große Umstellung, das kannte ich bereits aus Jena. Allerdings waren wir dort über 100 Schüler*innen aus verschiedenen Sportarten. In Bremen hingegen waren wir ausschließlich Fußballer und weniger als zwanzig Menschen, die dort zusammengelebt haben. Auch an die Distanz zu meinen Eltern und die Stadt konnte ich mich schnell gewöhnen. Für mich war es immer ein Paradies, hier zu leben und mich auf den Fußball zu konzentrieren."
WERDER.DE: Nebenbei bist du ja auch noch zur Schule gegangen. Wie viele Gedanken hast du dir während deiner Internatszeit wirklich über andere Dinge als den Fußball gemacht?
Tom Pachulski: "Der Fußball war schon sehr dominant. Ich habe es aber immer geschafft, in der Schule das Nötigste zu machen und habe durch meine mündliche Mitarbeit auch noch ein ganz vernünftiges Abitur gemacht. Deutsch und Sport waren meine besten Fächer, Mathe in der Schule nie meine Stärke, auch wenn ich mittlerweile mit Zahlen arbeite. Mir fiel es schon immer schwer Sachen zu tun, für dich ich mich nicht interessiere. Umso mehr Fleiß habe ich in die Dinge gesteckt, für die ich brenne. Da war Fußball schon meine oberste Priorität."
WERDER.DE: Welche Menschen haben dich während dieser Zeit besonders geprägt?
Tom Pachulski: "In Jena waren es mein Torwarttrainer Heiko König und unser Sportpsychologe Mathias Kleine-Möllhoff. Letztgenannter ist mir dann auch später zu Werder gefolgt (schmunzelt). Auch beim ersten Gespräch mit Werder war mir sehr wichtig, dass der Verein einen Sportpsychologen besitzt. Mit Uwe Harttgen und Ingo Götze gab es zwei Mitarbeiter mit einer psychologischen Ausbildung. Ingo war eigentlich unser Schulbegleiter, hat mit mir aber auch einmal in der Woche eine Mentaltrainingseinheit angeboten. Er hat mich sehr geprägt und mental auf ein neues Level gebracht. Als letztes würde ich gerne noch Schnapper erwähnen. Er hat mir als Torwarttrainer super Analysen bereitgestellt, hat immer an mich geglaubt und mich gelehrt, Ratschläge auch mal ohne Diskussion anzunehmen (schmunzelt)."
WERDER.DE: Wann kam der Moment in deiner Karriere, in dem du realisiert hast, dass du nicht Welttorhüter bei Real Madrid wirst?
Tom Pachulski: "Schöne Frage. Ich habe lange an mein Ziel geglaubt, aber mit Beginn der Corona-Pandemie habe ich gemerkt, dass es sehr schwer wird, noch einmal ganz oben anzugreifen. Erst wurde die Spielzeit abgebrochen, dann habe ich mich verletzt. Damals war ich dann Anfang bis Mitte 20. Früher habe ich das nur für mich gemacht und dabei auch schlechte Erfahrungen gemacht, das gehört zur Entwicklung dazu."
"Ich weiß, wie es ist, als junger Mensch auf einen Traum gepolt zu sein und wie wichtig dafür eine finanzielle Absicherung ist."
Tom Pachulski
WERDER.DE: Damals warst du schon von Werder über Meuselwitz zur U23 von Holstein Kiel gewechselt. Wie lief dann der Prozess ab, dir eine Alternative zu suchen?
Tom Pachulski: "Ich habe das Thema Finanzen schon im jungen Alter für mich entdeckt, weil ich früh mit dem Fußball Geld verdient habe. Letztendlich hatte ich bei meinen damaligen Finanzberatern das Gefühl, dass sie vor allem ihren eigenen Profit im Auge hatten. Als Fußballer hatte ich nebenbei die Zeit, mich mit dem Thema zu beschäftigen und kam dann zu der Meinung, dass ich es vielleicht selbst besser kann. Während der Corona-Pandemie habe ich dann gemerkt, wie finanziell belastend die Situation für Einige ist und wollte den Menschen etwas zurückgeben. Als ich dann im Jahr 2022 meinen Mentor kennengelernt habe, war das dann der perfekte Einstieg für mich. Jetzt bin ich darauf spezialisiert, Fußballer zu unterstützen. Da ich mich selbst einmal in ihrer Situation befunden habe, kann ich sie authentisch beraten. Ich weiß, wie es ist, als junger Mensch auf einen Traum gepolt zu sein und wie wichtig dafür eine finanzielle Absicherung ist."
WERDER.DE: Was hast du aus deiner Zeit bei Werder und im Leistungszentrum generell für dein Leben mitgenommen?
Tom Pachulski: "Leistungsfußball ist eine Schule für das Leben. Ich bin sehr dankbar für die Menschen, die damals bei Werder um mich herum waren. Das Leben im Internat hat mich deutlich selbstständiger gemacht. Disziplin ist ein weiterer Punkt. Meiner Meinung ist diese wichtiger als Motivation. Dazu konnte ich mich in den Bereichen Widerstandsfähigkeit und im Umgang mit Rückschlägen entwickeln. Im Sport wie auch in meinem Berufsleben kommt es vor, dass man auf Ablehnung trifft. Ich habe gelernt, wie wichtig es ist, damit umzugehen und die richtigen Schlüsse für mich daraus zu ziehen. Auch dem Fußball bin ich erhalten geblieben und spiele in der Oberliga Schleswig-Holstein bei Kilia Kiel. Auch wenn es nicht hauptberuflich, zum Fußballprofi gereicht hat, lässt mich der Sport nicht ganz los (schmunzelt)."
WERDER.DE: Vielen Dank dir für deine Zeit und dir sowohl beruflich als auch sportlich viel Erfolg in der Zukunft!
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