Berlin, Bundesliga und ein versöhnlicher Abschluss
Schach-Bundesliga
15.05.26 von Spartak Grigorian
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Noch dreimal Schachbundesliga und das in unserer Hauptstadt, in der vielleicht bisher besten Kulisse für den Saisonabschluss im Willy-Brandt-Haus. Einziger Wermutstropfen vor dem Wochenende war, dass Wolfhagen, immerhin Tabellendritter, kurz vor dem Start seinen Rückzug aus der Liga bekannt gab. Das sorgte vor allem im Abstiegskampf noch einmal für ordentlich Wirbel und zwei unserer drei Wochenendgegner steckten mittendrin.
Freitag: Kirchweyhe – 3,5:4,5
Kirchweyhe kam wie erwartet mit ihren nominell acht stärksten Spielern, die sie aufbieten können. Wir hingegen stellten das vielleicht das jüngste Team der gesamten Saison in der Bundesliga auf. Mit Hayk, Velimir, Aditya, Lucas, Nikolas und Jari waren gleich sechs der acht Spieler nach 2000 geboren.
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Die Kirchweyher spielen bekanntermaßen extrem solide, verlieren kaum Partien und bestrafen Gegner konsequent für überzogenen Ehrgeiz. Genau das passierte leider Nikolas, der mit Schwarz die Initiative übernahm, im Mittelspiel jedoch den Faden verlor und schließlich auch die Partie.
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Große Chancen auf den Ausgleich oder sogar den Sieg hatten wir dennoch in zwei Partien. In Lucas’ Partie verpasste er in der Diagrammstellung die starke Fortsetzung 36.Se6! und spielte stattdessen 36.a3?. Danach erhielt Schwarz mit …g5 ausreichend Gegenspiel, um schließlich über den h-Bauern das Remis und damit den Mannschaftssieg für Kirchweyhe zu sichern.
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Die zweite große Chance ergab sich sogar schon zuvor in der Partie von Velimir, der sein starkes Mattnetz in dieser Stellung nicht vollenden konnte. 34.h4!! fxg4 35. Tg5 und Schwarz hat große Schwierigkeiten 36.Sf6 nebst Sg8# oder Sg4# zu verteidigen.
In den übrigen Partien verlief das Geschehen weitgehend ausgeglichen, sodass die Niederlage am Ende vielleicht etwas unverdient wirkt, wenn auch denkbar knapp gegen unseren Reisepartner.
Die Einzelergebnisse:
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Samstag: Dresden – 3:5
Gegen Dresden gab es eine Rotation am letzten Brett, wo Spartak für Jari ins Team kam. Dresden, das wie wir am Vortag verloren hatte, musste gegen uns unbedingt gewinnen, um die theoretischen Chancen auf den Klassenerhalt zu wahren.
Das Match bot gleich mehrere spannende Partien, die gefühlt alle eine tiefere Analyse verdient hätten. So entstand beispielsweise in der Partie von Hayk eine Stellung, die vermutlich bereits technisch gewonnen war.
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Der richtige Plan war 37.Dd1 De4 38.f3 +/- , dann folgt Txa3 woraufhin Schwarz kaum noch Gegenwehr hat und die Partie verloren ist. Stattdessen entschied sich Hayk für 37. Dg2 und nach De2! übersah er 38. f3 Db2!! und Schwarz hat plötzlich eine Rettung gefunden und es steht ausgeglichen. Ein einziger Zug, der alles veränderte. Leider folgte danach, was wir als Schachspieler aus eigener Erfahrung kennen. Hayk fand nicht mehr zur Ruhe, die Gedanken kreisten sich immer wieder um den 37. Zug, weitere gute Chancen zum Vorteil später ließen sich nicht mehr nutzen, und am Ende verlor er sogar die Partie. Das tut weh, ist aber auch menschlich.
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In Zeitnot verloren dann auch Nikolas und Spartak ihre Partien, beiden gerieten in komplexe Mittelspiele, wo sie jeweils einen großen Fehler machten und die Partie verloren.
Unser Topscorer dieser Saison Lucas holte in der Begegnung als einziger einen Sieg. In dieser Stellung spielte er das starke 35…Txf7 nebst Txa2 und der Freibauer auf a4 entschied die Partie.
Die Einzelergebnisse:
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Sonntag: SF Berlin – 5:3
Am Sonntag gegen den Ausrichter SF Berlin lief von Beginn an vieles zusammen. Adityas Gegner opferte eine Figur, ohne erkennbare Kompensation. Aditya nahm die Figur dankend and und verwertete den Vorteil sicher.
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Spartak baute über die gesamte Partie geduldigen Druck gegen den gegnerischen Isolani auf und erhöhte kurz darauf auch das Ergebnis. Hier an dieser Stelle folgte 15. Sde2 nebst 16. Sf4 und der Isolani war nicht zu verteidigen.
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Hayk lieferte nach dem Ärger vom Vortag einen strategisch wirklich beeindruckenden Sieg ab und brillierte hier an dieser Stelle auch taktisch mit 27…e5, obwohl Weiß versuchte diesen Zug mit 26.f4 zu verhindern.
Zahar verlor seine Partie, doch das hatte für das Mannschaftsergebnis keine Bedeutung mehr. Besonders bemerkenswert ist, dass Zahar in dieser Saison alle 15 Partien gespielt hat.
Nikolas spielte noch eine der letzten Partien der Saison und hielt ein Leichtfigurenendspiel trotz Minusbauern sehr souverän remis. Damit gelang ein versöhnlicher Abschluss mit einem Sieg zum Saisonende.
Die Einzelergebnisse:
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Saisonfazit:
Am Ende steht Platz 8, genau in der Mitte des Tableaus. Mit einem jungen Kader, einigen knappen Niederlagen und einem Sieg zum Abschluss ist das ein Ergebnis, auf dem sich gut aufbauen lässt, zumal wir über weite Strecken der Saison um die Top 5 mitgespielt haben, es letztlich aber Platz 8 wurde. Die Harmonie in der Mannschaft war auch in dieser Saison hervorragend, und wir hatten zu keinem Zeitpunkt ernsthafte Abstiegssorgen. Vielleicht sind das die beiden wichtigsten Punkte überhaupt.
Herzlichen Glückwunsch an den SC Viernheim zur Titelverteidigung, erneut eine beeindruckende Saisonleistung.
Ein großes Dankeschön geht an alle Spieler, Helfer und Verantwortlichen im Verein, die dafür gesorgt haben, dass diese Saison so reibungslos über die Bühne gegangen ist. Es hat Spaß gemacht. Bis zur nächsten Saison!
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