Werder 1 gewinnt gegen St. Pauli
Bundesliga
24.03.26 von David Lobzhanidze
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Starker Auftritt in Hamburg mit einem Sieg und einem Unentschieden. Im Fußball wären es vier Punkte, nach Schachregeln sind es drei.
Im Schach wurde auch vor einigen Jahren diskutiert, ob es drei Punkte für einen Sieg geben sollte, und einige Turniere wurden entsprechend ausgerichtet. Insgesamt hat man sich jedoch dagegen entschieden – zumindest bisher.
Bevor ich weiter über unser sehr gelungenes Schachwochenende berichte, möchte ich an dieser Stelle sehr gerne unseren Fußball-Profis zum wichtigen Sieg gegen Wolfsburg gratulieren! Drei Siege in den letzten fünf Runden sind sicherlich eine sehr gute Ausbeute.
Zurück zum Schach: Am Wochenende absolvierten wir unser Hamburger Programm. Am Samstag trafen wir auf den Hamburger SK. Der HSK ist ein Verein, der mit Abstand die meisten deutschen Großmeister in seinen Reihen hat – insgesamt acht! Gegen uns traten sie gleich mit sechs deutschen Großmeistern an – eine starke Ansage. Die beiden Mannschaften waren nach Rating ausgeglichen, sodass ein sehr spannender Kampf zu erwarten war. Unser Gegner, angeführt von den deutschen Nationalspielern und Großmeistern Frederik und Rasmus Svane, hatte insgesamt etwas bessere Chancen, den Wettkampf für sich zu entscheiden.
Am Brett 1 opferte GM Velimir Ivic mit Weiß gegen GM Frederik Svane in einer etwas unangenehmen Stellung einen Bauern, um im Endspiel eine Festung aufzubauen.
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Der Plan funktionierte: Schwarz konnte keine nennenswerten Fortschritte erzielen, obwohl er es lange versuchte.
Die Partien an den Brettern 2, 5 und 6 verliefen nach einem ähnlichen Szenario: Weiß versuchte jeweils, einen Vorteil aus der Eröffnung herauszuholen, konnte aber nicht viel erreichen – ging allerdings auch kein Risiko ein. Dreimal Remis.
Ein sehr interessantes Theorie-Duell ereignete sich am Brett 3 zwischen GM Alexander Areshchenko und GM Niclas Huschenbeth. Niclas verteidigte mit Schwarz erfolgreich eine Variante der Russischen Verteidigung, die er selbst in seinem online Kurs empfohlen hat. Das ist nicht ganz einfach, da der Autor dem potenziellen Gegner viele eigene Analysen liefert – eine perfekte Grundlage für dessen Vorbereitung. Gleichzeitig kann der Autor nicht wissen, in welcher Variante der Gegner nach Verbesserungen sucht.
In der Diagrammstellung empfiehlt Niclas in seinem Kurs ein solides 18…Le7. In der Partie spielte er jedoch 18…Lc7, was wie eine leichte Verbesserung wirkt. In beiden Fällen steht Schwarz leicht unter Druck, kann die Stellung aber gut zusammenhalten. Im weiteren Partieverlauf gelang es Alexander, ein vorteilhaftes Springerendspiel zu erreichen. Am Ende reichte es jedoch leider nicht zum Sieg, obwohl er bis zum letzten Bauern kämpfte.
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IM Collin Colbow konnte mit Schwarz solide ausgleichen und versuchte anschließend, die Initiative zu übernehmen. Die Stellung blieb jedoch trotz beidseitiger Bemühungen ausgeglichen und endete im Endspiel remis.
GM Bobby Cheng erreichte mit Schwarz in der Russischen Verteidigung problemlos Ausgleich. In der späteren Phase agierte er jedoch ungenau und geriet stark unter Druck. An zwei bis drei Stellen wurde die Stellung kritisch, doch sein Gegner verpasste die Chancen, und Bobby rettete die Partie im Turmendspiel.
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IM Jari Reuker spielte mit Weiß das g3-System im Najdorf gegen IM Nico Zwirs.
Schwarz hatte gerade rochiert. Hier spielte Jari 9.g4!? Trotz des Tempoverlusts ist das ein guter Zug. Da Schwarz bereits rochiert hat, kann Weiß mit g4, h4 und g5 einen vielversprechenden Angriff starten. Jari spielte jedoch etwas voreilig f4–e5 und musste anschließend den e5-Bauern opfern. Die Kompensation war objektiv nicht ausreichend, doch er stellte seinen Gegner vor viele Probleme und stand zwischenzeitlich sogar etwas besser.
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Dieses komplizierte Schwerfigurenendspiel, in dem Schwarz später mehr Gewinnchancen hatte, endete – wie alle anderen Partien – remis.
Mit dem Endergebnis von 4:4 können wir zufrieden sein.
Am Sonntag ging es dann gegen den FC St. Pauli. GM Magnus Carlsen steht zwar auf der Liste, hat aber bisher noch keine Partie gespielt. Vielleicht wird er in der Zentralrunde eingesetzt? Auch ohne ihn war der Gegner sehr stark, wobei wir an den hinteren Brettern etwas besser aufgestellt waren.
GM Velimir Ivic geriet am Spitzenbrett gegen GM Jonas Bjerre in der Spanischen Anti-Marshall-Variante trotz objektiv ausgeglichener Stellung unter Druck. In der offenen Stellung musste er zunächst das Läuferpaar und dann einen Bauern abgeben und verlor schließlich gegen den sehr starken Gegner.
Am Brett 3 gewann unser Gegner GM Amar Elham durch eine schöne Kombination gegen GM Alexander Areshchenko eine Qualität, forcierte aber anschließend ein Unentschieden durch Dauerschach.
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In dieser Stellung hat Weiß nichts Besseres als Dauerschach mit Te8 und Te7.
GM Zahar Efimenko erreichte mit Schwarz schnell Ausgleich; die Stellung verflachte rasch – Remis.
GM Zbyněk Hráček stand mit Weiß besser, ließ sich jedoch zu früh auf Generalabtausch ein – ebenfalls Remis.
IM Collin Colbow wurde durch eine seltene, aber unangenehme Variante in der Sizilianischen Verteidigung überrascht.
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Nach 6.Sb3 Lb4 sind die meistgespielten Züge 7.Ld3 und 7.Ld2, wobei Schwarz hier statistisch gute Ergebnisse erzielt. Weiß kann auch 7.Dg4 probieren, was jedoch nicht jedermanns Geschmack ist. In der Partie folgte 7.Dd3 Sf6, und Schwarz konnte schnell d5 durchsetzen, wonach er sogar aktiver stand.
Die Partie endete bald remis.
Sehr turbulent verlief die Partie zwischen IM Jari Reuker und IM Benedikt Krause. Jari opferte mit Schwarz eine Figur – das Opfer war jedoch sehr zweifelhaft. Die Stellung wurde extrem unübersichtlich, und sein Gegner fand nicht die besten Verteidigungszüge und sah sich gezwungen, das Material zurückzugeben. Es entstand ein Endspiel mit einem Mehrbauern für Jari, das jedoch nicht leicht zu gewinnen war. Auch diese Partie endete remis.
Damit lagen wir zurück, und es liefen noch zwei Partien.
GM Bobby Cheng hatte im Endspiel einen Bauern mehr, doch das gegnerische Läuferpaar erschwerte den Fortschritt. Objektiv stand er lange Zeit nicht besser, konnte seine Stellung jedoch nach und nach verbessern. Es entstand ein Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern.
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In dieser Stellung traf Schwarz eine falsche Entscheidung: Nach 48…Kc5 49.g4 fxg3 50.hxg3 Kxb5 51.Lxg6 Kc5 hätte der schwarze König rechtzeitig nach g7 zurückkehren und die Partie retten können. In der Partie folgte jedoch 48…Lc5? 49.Kf1 g5 50.g3. Nun konnte Weiß einen zweiten Freibauern bilden, und da die Bauern weit auseinanderstanden, war das Endspiel gewonnen.
Damit gelang uns der Ausgleich.
GM Luke McShane gewann durch einen taktischen Trick einen Bauern.
Es folgte 33.fxe5 fxe5 34.Sxe5 Sxe5 35.Txe5+ Kxe5 36.Lf4+ mit Bauerngewinn.
Luke gewann das Endspiel schließlich im 90. Zug.
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Am Ende stand ein knapper Sieg mit 4,5:3,5.
Damit haben wir den FC St. Pauli eingeholt und stehen nun auf Platz 6 – in einer guten Ausgangsposition vor der zentralen Endrunde, die vom 24. bis 26.04.2026 in Berlin stattfindet.
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