„Dürfen die Verantwortung nicht wegschieben“

EIN NACHBERICHT ZUR NIEDERLAGE BEIM 1. FC KÖLN

14.04.26 von Moritz Studer | 4 Min

Daniel Thioune spricht im Mannschaftskreis zu seinem Team.

Sicherlich hätte der Spielverlauf kaum unglücklicher sein können: Ein Strafstoß führte den 1. FC Köln aus dem Nichts auf die Siegerstraße, eine Rote Karte von Marco Friedl erschwerte die Ausgangslage für einen Punktgewinn am Rhein. Trotzdem möchten sich die Verantwortlichen die Analyse nach der 1:3-Niederlage beim FC nicht zu leicht machen. Ein Nachbericht.

Obwohl in den Anfangsminuten der SV Werder durchaus in gefährliche Räume auf der anderen Seite fand, jubelte schnell der 1. FC Köln: Jakub Kaminski nahm einen leichten Kontakt von Olivier Deman am Fuß dankend an, Said El Mala verwandelte den fälligen Strafstoß (7.). Dass Friedl nach einem unsauberen Bittencourt-Zuspiel wegrutschte und Ragnar Ache über ihn stolperte, wertete Schiedsrichter Tobias Reichel als Notbremse (24.).

Mit dieser schweren Hypothek hätte für die Grün-Weißen sicherlich vieles zusammenlaufen müssen, um den Fuß nochmal in die Tür zu bekommen. Trotzdem musste sich der SVW bei Torhüter Mio Backhaus bedanken, der schon vor der Pause einen Knockout verhinderte. „Wir müssen bei uns anfangen, denn wir waren in der ersten Halbzeit sehr fehlerhaft“, betont Geschäftsführer Fußball Clemens Fritz schon in der Mixed Zone in Köln. „Wir müssen ehrlich zu uns selber sein und dürfen die Verantwortung nicht wegschieben.“

Die Mannschaft steht vor der Gästekurve, auf einem Transparent steht: Bremen holt den Derbysieg!
Werders Fans mit einer klaren Botschaft in Richtung Nordderby (Foto: WERDER.DE).

Nach dem Seitenwechsel schnupperte Senne Lynen zwar an seinem ersten Bundesliga-Tor (52.), doch auf der anderen Seite erhöhte Ache nach einem Eckball für die Kölner (63.). Der Torschütze hatte nur sechs Zeigerumdrehungen später Glück, als er nach einem groben Foulspiel gegen Romano Schmid nur mit Gelb verwarnt wurde (71.). Kurz darauf traf Ache im eigenen Strafraum Deman am Fuß, sodass Schmid Werder mit seinem Elfmetertor zurück ins Spiel brachte (76.).

Insgesamt fehlte den Grün-Weißen im Schlussdrittel die letzte Durchschlagskraft, um zumindest noch einen Zähler mit auf die Heimreise zu nehmen. Stattdessen stand immer wieder Torhüter Backhaus im Mittelpunkt, der mehrmals die Entscheidung vertagte, letztlich aber doch von Isak Johannesson entscheidend überrascht wurde (90.+7). „Wir waren insgesamt sehr weit weg von dem Vortrag, den wir selbst erwartet haben“, sagt Cheftrainer Daniel Thioune in einer Medienrunde am Tag nach dem Spiel. „In Unterzahl darf man von einer Mannschaft etwas mehr erwarten, die in so einem Spiel nicht als Verlierer vom Platz gehen möchte.“

Die Grün-Weißen verpassen damit einen Befreiungsschlag und stehen weiterhin nur drei Pünktchen vor dem Relegationsplatz. Damit bekommt auch das bevorstehende Nordderby gegen den Hamburger SV eine zusätzliche Brisanz. „Wir müssen jetzt zeigen, dass wir eine Mannschaft um uns herum in der Tabelle schlagen können“, sagt Thioune. „Der Blick geht nach vorne: Es ist Derbyzeit und da geht es um deutlich mehr als nur drei Punkte.“

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