„Wir pöbeln nicht, wir supporten“
DIE BEDEUTUNG DES NORDDERBYS FÜR EINEN WERDER-FANCLUB IN HAMBURG
17.04.26 von Fiona John | 3 Min
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Als Kind musste sich Tristan Rodgers entscheiden. Supportet man in Cuxhaven den grünen oder den blauen Klub mit der Raute. Als gebürtiger Ire fiel seine Wahl auf Grün. Seitdem ist Tristan Werder-Fan, lebt mittlerweile in Hamburg und ist Gründungsmitglied des größten Werder-Fanclubs in der Stadt an der Elbe „Verde e Bianco Pazzo e.V.“. Was damals als Schnapsidee in der Kneipe begann, ist heute längt mehr als nur gemeinsames Fußball gucken im Revier des größten sportlichen Rivalen.
WERDER.DE: Moin Tristan, oft hört man Geschichten, dass ein Klub während einer Party-Nacht entsteht. Bei euch war das offensichtlich ähnlich, wenn man eurer Website trauen kann.
Tristan: Das war 2019. Zwei Freunde und ich haben zusammen Fußball geguckt – Bayern gegen Leipzig. Irgendwann fiel das Wort Pizarro. So haben wir gemerkt, wir finden alle Pizarro toll und sind alle Werder-Fans. Da haben wir beschlossen, häufiger zusammen Fußball zu gucken. Und irgendwann in der Nacht kam uns die Idee: Wir gründen einen Fanclub. Dann haben wir im Google Translator irgendwelche Namen und italienischen Wörter eingegeben. Das war der Anfang des Ganzen.
WERDER.DE: Ihr habt euch mit „Verde e Bianco Pazzo“ einen interessanten Namen ausgesucht. Was verbindet euch mit Italien oder der Sprache?
Tristan: Als wir die Angelegenheit spät in der Nacht diskutiert haben, ging es um die Connection von Thomas Eichin zur Juventus-Talentschmiede. Dazu gibt es einen Italiener bei uns in Hamburg – scheinbar der Lieblingsitaliener von Max Kruse – zumindest hängt da ein Foto von ihm. So sind wir auf das Italien-Thema gekommen. Dann haben wir geguckt, was man mit grün, weiß und verrückt machen kann. Dann kam halt Verde e Bianco Pazzo heraus. Einerseits, weil es verrückt ist einen Fanclub in Hamburg zu gründen, andererseits natürlich grün und weiß. Dazu dann die Thomas Eichin Verbindung mit dem Augenzwinkern. So ist der Name entstanden.
WERDER.DE: Wie groß seid ihr mittlerweile?
Tristan: Als bekannt wurde, dass es eine Werder Bremen Community in Hamburg gibt, ging es sehr schnell, dass sich viele Leute bei uns gemeldet haben. Jetzt sind wir 70 Leute. Wir versuchen die Gruppe nach und nach homogen wachsen zu lassen. Wir wollen ja auch alle freundschaftlich bleiben, mit Werten. Da achten wir stark drauf, genauso wie auf eine gute Nachbarschaft mit den HSV und St. Pauli-Fans. Alle verstehen, was sie für ein gutes Miteinander tun müssen. Wir pöbeln nicht, wir supporten.
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WERDER.DE: Eure Stammkneipe ist der Irish Pub „Froggys“ in Hamburg-Eimsbüttel. Kommt man sich gelegentlich komisch vor mitten im Gebiet des größten Rivalen eine Kneipe zu haben?
Tristan: Es war schon etwas komisch am Anfang. Es ist halt Hamburg. Da sind nun mal St. Pauli- und HSV-Fans. Und natürlich mussten wir schauen, wie das ist, neben denen Fußball zu gucken. Wir pöbeln uns nicht an, wir gucken einfach nebeneinander Fußball. Viele vergessen, dass es noch eine andere Ebene gibt, die nicht mit Aggressionen und Gewalt, sondern freundschaftlich und vor allem mit Spaß aufgeladen ist. Als Werder den Aufstieg schon geschafft hatte und der HSV noch in der Relegation gespielt hat, haben wir uns auch dazu gesetzt und gemeinsam geschaut.
WERDER.DE: Zwei Jahre nach eurer Gründung habt ihr euch als offizieller Fanclub bei Werder angemeldet. Seit einigen Jahren seid ihr auch als gemeinnütziger Verein eingetragen. Was hat euch zu diesen Schritten bewegt?
Tristan: Wir haben uns am Tag des Abstiegs 2021 als offizieller Fanclub angemeldet, um ein positives Zeichen zu setzen. Dann sind wir größer geworden und mussten schauen, wie man die Gruppe organisiert und etwas Positives entfalten kann. So kam die Idee, einen gemeinnützigen Förderverein zu gründen. Damit wollten wir Geld, das wir zum Beispiel bei unseren Sommerfesten generieren, für einen gemeinnützigen Zweck nutzen. So können wir verschiedene Institutionen und Stiftungen unterstützen, die zu unseren Werten passen - zum Beispiel die Förde Lütten von Fin Bartels. Dort werden Kids gefördert, damit sie Fußball spielen können. Gerade auch Gesellschaftliche Themen liegen uns am Herzen, wo die queere Community gefördert wird, Gewaltfrei gegen Sexismus und Anti-Rassismus-Projekte.
"Im Hinspiel hat man gesehen, was für eine Energie von beiden Fanlagern ausging – das gibt es sonst nirgendwo."
WERDER.DE: Blicken wir auf das Nordderby. Was bedeutet dieses Spiel für dich?
Tristan: Gerade, weil es diese Vergangenheit zwischen den beiden Fanlagern und Städten gibt, die nicht immer positiv war, versuchen wir das Nordderby positiv aufzuladen und genau diese Momente zu schaffen, wo man eine bessere Verbindung zwischen den Städten bekommt. Das steht für mich persönlich an erster Stelle: Dass man dort gemeinsam Werte schafft und neben den sportlichen Spitzen, die freundschaftlich und gewaltfrei sind, tolle Momente schafft. Im Hinspiel hat man im Stadion gesehen, was für eine Energie von beiden Fanlagern ausging – das gibt es sonst nirgendwo. Jeder nimmt sich da in die Pflicht, sein Bestes zu geben. Gerade diese besonderen Momente, wo alle mitmachen, machen das Nordderby aus.
WERDER.DE: Was erwartest du für ein Spiel und was erwartest du von der Mannschaft?
Tristan: Ich glaube, dass die Mannschaft vollkommen abgeholt ist. Mit Daniel Thioune haben wir einen Trainer, der das komplett versteht. Der hat selbst mal den HSV trainiert und weiß, was dort Sache ist. Dementsprechend wird er das befeuern können. Ich gehe davon aus, dass sehr viel Energie im Stadion aufkommen wird. Ich glaube, dass derjenige, der gewinnt, richtig viel Fahrtwind für die letzten Meter aufnehmen kann und andersherum, der der verliert richtig verunsichert sein kann. Das Köln-Spiel und alles davor könnte mit einem Derbysieg komplett egalisiert und die ganze Saison gerettet werden. Vor allem, was die Stimmung angeht.
WERDER.DE: Wie wirst du das Derby verfolgen?
Tristan: Ich werde es in der Kneipe schauen. Wir haben zu wenig Tickets für alle bekommen. Deshalb werde ich im Froggys gucken.
WERDER.DE: Vielen Dank für das Gespräch und die Einblicke in euren Fanclub!
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